Ritzen- ein Modetrend?

,,Jugendliche ritzen sich, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und cool zu sein.“

Diesen Satz las ich gestern in einem Artikel, der Selbstverletzendes Verhalten (kurz: SSV) bei Jugendlichen thematisierte und dieses Verhalten bei den meisten der Betroffenen als „Modetrend“ abtat.

Bei meiner weiteren Internetrecherche stieß ich auf weitere Artikel, die ähnliches implizierten.

Ich war wirklich schockiert und habe deutlich die Unwissenheit der Autoren hinter diesen Artikeln gespürt.

Daher möchte ich nun versuchen, etwas mehr Licht in das dunkle Thema „Selbstverletzendes Verhalten“ zu bringen.

Menschen, die sich selbst verletzen, sind nicht unbedingt Borderliner und Borderliner verletzen sich nicht unbedingt selbst. Das ist einer der häufigsten Trugschlüsse. Selbstverletzendes Verhalten ist ein Symptom bei traumatischen Erfahrungen, Selbsthass, Depressionen, Essstörungen, Zwangsstörungen und Körperschemastörungen, um nur einige Diagnosen zu nennen.

Es gibt verschiedene Art und Weisen sich selbst zu verletzen. Die bekannteste ist wohl das Ritzen, mittels scharfen Gegenständen, wie Scheren, Messern, Rasierklingen oder ähnlichem. Doch man kann sich auch selbst verletzen, indem man sich die Haare und Wimpern heraus reißt, oder seinen Kopf gegen Wände schlägt, sich selber schlägt, beißt und kratzt, sich vorsätzlich die Knochen bricht bis hin zur Enukleation (eigenständiges Herausbohren des Auges). Es gibt unzählige Gesichter des Selbstverletzenden Verhalten, die ich hier nicht alle aufzählen kann und möchte. Allerdings zeigt das allein schon, dass man SSV doch schwerlich als „Modetrend“ abtun kann oder?

Nun möchte ich näher auf die Gründe eingehen, warum sich Menschen so etwas antun. Ich gehe nicht auf die Krankheiten ein, die dahinter stecken, sondern auf die inneren Beweggründe und Gefühle, die dazu führen, sich zu verletzen. An dieser Stelle ist es wohl am sinnvollsten, wenn ich von mir selber spreche.

Es gibt bei mir 3 verschiedene Auslöser, weshalb ich mich selbst verletzte.

1.Innerer Druck und Schmerz:

Es gibt Tage an denen ich das Gefühl habe, innerlich zu zerspringen oder zu zerreißen. Der Schmerz und der Druck in meinem Inneren sind so groß, dass es kaum auszuhalten ist und ich am liebsten aus dem Fenster springen würde. Statt dies zu tun, wähle ich das für mich „kleinere Übel“ und schneide mir mit Rasierklingen in die Unterarme. Während ich dies tue, entweicht der gesamte innere Druck und der innere Schmerz ist nun sichtbar und greifbar auf meinen Unterarm „umgeleitet“. Der Schmerz ist nicht mehr abstrakt und auch nicht mehr so stark. In mir macht sich eine absolute Erleichterung breit und ich kann endlich wieder atmen.

2.Taubheit und Leere:

Dann gibt es wiederum Tage, an denen ich gar nichts spüre. Weder seelisch noch körperlich. Ich bin absolut leer. Gefühlslos. Taub. Ich spüre meinen Körper nicht richtig. Alles fühlt sich taub an. Ich habe beinahe das Gefühl, nicht mehr lebendig zu sein. Dieser Zustand ist für mich tausend Mal schlimmer als jener, den ich in Punkt 1 beschrieben habe. Hier benutze ich das Ritzen, um mich wieder zu spüren, um zu merken, dass ich noch da bin…dass ich noch lebe.

3.Schneidedruck

Hier geht es mir allein um den Prozess des Schneidens. Es ist ähnlich wie bei Drogensüchtigen, die sich neben ihrem Drogenkonsum auch Kochsalz in die Venen spritzen, einfach nur um das Gefühl und die Prozedur des sich Spritzens zu erleben (auch Spritzengeilheit genannt). Die Vorbereitung des Schneidens, das Schneiden an sich und die Nachbereitung geben mir ein Gefühl von Sicherheit und beruhigen mich. Der Schmerz ist angenehm und wärmend. Das ist wohl der Grund, der für viele Menschen am schwersten nachzuvollziehen ist.

Hinter jedem dieser Gründe, hinter jedem Schnitt steckt aber auch ein Hilfeschrei. Wenn man nicht fähig ist, es auszusprechen, zeigen doch nie Narben, wie schlecht es einem geht. Auch wenn man sie versteckt.

Selbstverständlich nutze ich auch die sogenannten „Skills“. Dies sind weniger schädliche Ersatzhandlungen für das SSV, wie zum Beispiel Riechen an Ammoniakstäbchen, Gummifletscher, Kauen auf Chilischoten usw. Diese reichen jedoch oft nicht aus und es ist ein unheimlich schwieriger und langwieriger Prozess, sein SSV durch diese Skills komplett zu ersetzen.

Um nun zu dem Thema  „Modetrend“ und dem Zitat ,,Jugendliche ritzen sich, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und cool zu sein.“  zu kommen…Natürlich gibt es Menschen, die sich selbst verletzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber ob sie damit einfach cool sein wollen und mit dem Strom mit schwimmen wollen, wage ich zu bezweifeln. Ich finde diese Aussage absolut gefährlich und missachtend. Selbstverletzendes Verhalten muss immer ernst genommen werden. Lasst mich folgende Frage stellen:

Würde sich ein gesunder Mensch selbst verletzen, um wahrgenommen zu werden oder cool zu sein?

Ich denke nicht. Kein Mensch, der nicht ernst zu nehmende Probleme hat, würde sich selbst verletzen! Allein schon der Wunsch nach Aufmerksamkeit impliziert, dass es an dieser mangelt und die Art und Weise diese dann zu erlangen verdeutlicht doch noch viel mehr, wie schlecht es um einen Menschen steht. Diese Menschen, die in den Artikeln als aufmerksamkeitsgeil dargestellt werden, müssen ernst genommen werden und bedürfen professioneller Hilfe.

Selbstverletzendes Verhalten ist niemals nur Effekthascherei und eine Modeerscheinung, auch wenn sich die Fälle seit den letzten Jahren häufen.

Wir sollten uns vielmehr die Frage stellen, woran es liegt, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr anders zu helfen wissen, als sich selbst zu verletzen. Selbstverletzendes Verhalten ist ein Symptom. Dahinter stecken Krankheiten und diese häufen sich rapide.

Ich will jetzt nicht wieder die Gesellschaftskritikerin raushängen lassen, aber ich komme nicht drum herum. Wir leben in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, in der man funktionieren muss, wenn man nicht als Sozialfall enden will, ganz nach dem Motto : Friss oder stirb! Es herrscht enormer Druck. Man muss Leistung bringen, im Job und im Privatleben. Immer höher, immer weiter. Schule, Beruf, arbeiten, arbeiten, Rente, Tod. Für viele Menschen ist das kein Problem. Sie sind psychisch und körperlich gut aufgestellt, haben stabile Rahmenbedingungen oder schaffen es sich diesem Druck zu entziehen. Ein Großteil der Menschen aber hält diesem Druck nicht stand und wird krank.

Selbstverletzungsnarben sind nicht einfach nur Narben- Es sind Gedanken, denen niemand zuhören wollte- Hilfeschreie, die niemand gehört hat- Probleme, die niemand wahrhaben wollte und Erinnerungen, die man nicht verarbeiten konnte.

Ich hoffe ich konnte euch das Thema Selbstverletzendes Verhalten näher bringen.

Danke.

Eure Silvana

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49 Gedanken zu “Ritzen- ein Modetrend?

  1. rosabluete schreibt:

    Toller offen und ehrlicher Beitrag von Dir! Ich denke sowas behaupten tatsächlich nur Leute die keine Ahnung haben. Die auch zu Depressionen sagen, dass die Leute sich nicht so anstellen sollen und behaupten Burn-Out wäre nur eine Modeerscheinung. Die nicht verstehen, dass manche Leute einfach nicht so belastbar sind wie andere.

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  2. dergrafvonborg schreibt:

    „Würde sich ein gesunder Mensch selbst verletzen, um wahrgenommen zu werden oder cool zu sein?“
    Leider ja. Ist jetzt zwar auch schon wieder 10 Jahre her, dass bei uns an der Schule damals der Emo-Trend ausgebrochen war. Plötzlich musste jeder irgendwelche Störungen oder Erkrankungen vorweisen können um cool zu sein, ob die nun echt waren oder nicht. Und weil es halt eindrucksvoll war, wurde halt geritzt. Nicht tief, tut ja schließlich weh, aber halt so, dass es sichtbar ist und du halt als echter Emo zählen konntest. Ein paar Jahre früher habe ich miterlebt, wie sich Mitschüler mit leeren Finelinern die Namen von Stars und ihren Idolen in die Unterarme geritzt haben (wenn auch nur bis aufs Blut und nicht tiefer). Da kann man wohl tatsächlich eine Störung drin sehen, die über das „cool sein um jeden Preis“ hinaus geht.

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      • dergrafvonborg schreibt:

        Es lassen sich auch Leute „aus Scheiß“ ein Tattoo stechen oder Piercings und das sind auch Verletzungen. Natürlich muss man schon genau hinsehen aber ich bin mir doch sicher, dass etliche dabei sind, deren größtes Problem dabei die Angst vor Ausgrenzung aus ihre Clique ist.

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      • voninnennachaussenblog schreibt:

        Natürlich sind Tattoos und Piercing s verletzendes Verhalten,genauso wie das Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum. Dennoch zählen diese Verhaltensweisen nicht zu dem pathologischen Selbstverletzenden Verhalten. Wenn es cool ist in einer Clique sich den Arm aufzuschneiden oder die Wimpern heraus zu reißen o.ä finde ich das mehr als bedenklich und gehz für mich über den reinen Gruppenzwang hinaus.

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      • dergrafvonborg schreibt:

        Durchaus, du bist ja auch betroffen und hast daher wohl eine ganz andere Sicht auf die Dinge. Für diese Kinder war es wohl etwas vergleichsweise Harmloses. Sie haben jedenfalls kein Geheimnis daraus gemacht, dass es für Aufmerksamkeit war. Die Leidtragenden sind dann Diejenigen, die wirklich Hilfe benötigen und dann im Verdacht stehen, auch nur Moderitzer zu sein.

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  3. nilibine70 schreibt:

    Ein ganz ganz sensibles Thema!
    Furchtbar ist allerdings, dass die Leute, die diese Artikel unters Volk geschmissen haben, ganz so unrecht nicht haben. Leider! Es gibt sie wirklich, die Jugendlichen (ich arbeite beim Jugendamt), die sich ritzen, um „dazu zu gehören“. Kein Witz. Keine Übertreibung. Kein Märchen. Es ist mittlerweile für die Psychologen, die die Jugendlichen, die sich ritzen beurteilen und dann auch behandeln, ihnen helfen sollen, wirklich unsagbar schwer geworden, die armen gepeinigten Seelen zu erkennen. Wobei ich denke, dass dieser sehr fragwürdige Trend nicht mehr lange anhalten wird.
    Zum Vergleich mal kurz angemerkt, es gibt auch die Mädchen, die behaupten, sie wären sexuell belästigt worden, weil sie dann tatsächlich Aufmerksamkeit bekommen. Aber nicht die, wie man meinen könnte, weil sie zu wenig bekommen, sondern die es anders nicht schaffen, für sich selbst etwas zu sein. Auch das ist kein Witz oder übertrieben dargestellt.
    Schlimm ist wirklich an dem ganzen, dass in der Allgemeinheit das Thema dadurch nicht mehr so ernst genommen wird. Das Phänomen gab es schon mal mit Kindern, die von daheim wegliefen. Es gab unzählige, die sich anders nicht mehr zu helfen wussten. Aber es gab (und gibt sie sporadisch immer noch) auch die, die sich dadurch toll und cool vor den anderen Kids fühlten.
    Der „Trend“ mit dem Ritzen, um dazuzugehören hat sich aus dieser Emo-Sache entwickelt.
    Siehe Magerwahn etc.

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  4. Michi schreibt:

    Ich möchte mich in meinem Blog nicht zu dem Thema SSV äußern, weil ich dann das Gefühl hätte ich gebe SSV zu viel Bedeutung und das möchte ich persönlich vermeiden auf meiner Seite. Ich finde es auf der einen Seite gut das du das Thema ansprichst, aber ich höre auch eine gewisse Zuneigung zum Ritzen heraus, was ja bei BPS nicht ungwöhnlich ist. Ich denke nicht das es irgendwann mal aufhören wird, aber ich wünsche dir das die Abstände länger und die Häufigkeit weniger werden. Zu den Jugendlichen, ich denke auch das diejenigen die sich verleiten lassen in ihrer Entwicklung gestört sind, das gleiche gilt für extremen Drogen und Alkohol Mißbrauch in jungen Jahren. Das Ritzen wurde in der Emo Szene populär, alleine die Tatsache das man einer solchen Gruppe anhörig sein möchte, deutet auf Schwierigkeiten bei der Identitätssuche hin. Liebe Grüße Michi….und wenn’s doch wieder passiert ist, bloß nicht noch schuldig fühlen, ist dann halt so 🙂

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  5. nevertoldthoughts schreibt:

    hei,
    ich fand deinen Artikel großartig, weil du sehr gut und gezielt alles erklärt hast. Außerdem kann ich sehr gut nachvollziehen wie du dich fühlst. Bei mir ist es ähnlich. Ich ritze mich zwar nicht oder zumindest nicht mehr aber mit einer Essstörung ist es denke ich ähnlich.
    Noch einmal. Toller Artikel.
    Lg

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  6. abeeo schreibt:

    Hey,
    also, es fällt mir ehrlich gesagt nicht leicht, zu diesem Thema zu antworten. Ich habe mehrmals ein Kommentar eingetippt und wieder gelöscht und wieder eingetippt und wieder gelöscht.
    Ich gebe dir in allem Recht, was du sagst und kann es genauso unterstreichen.
    Das Ritzen ist KEIN Modetrend.
    Ein Schrei nach Aufmerksamkeit, kann sein.
    Ich will jetzt mal kurz etwas über mich erzählen, was mich viel Überwindung kostet, weil das kein Mensch – wirklich keiner! – weiß. Nicht einmal hier in meinem Blog habe ich darüber geschrieben. Erstens, weil ich weiß, dass es Menschen lesen, die ich kenne und die mich kennen, zweitens, weil es mir peinlich ist.
    Ich fing mit 11 Jahren an, mir die Unterarme aufzukratzen. Mit einer Nagelschere. Was der klägliche Auslöser war? Ein Kommentar meiner damaligen Klassenlehrerin.
    Ich hatte am Vorabend mit meiner kleinen Katze gespielt und meine Arme waren völlig zerkratzt. Als wir Abreitsblätter in der Schule ausgeteilt bekamen, sah sie meine Arme an und meinte nur: „Ein Herz konntest du nicht draus ritzen, oder?“ Und ging weiter.
    In dem Moment, völlig perplex und entsetzt, hatte ich keine Ahnung, wovon sie sprach.
    Ich informierte mich.
    Internet.
    Flyer.
    Foren.
    Gruppen.
    Bücher….
    Und fand einen Weg, Aufmerksamkeit zu bekommen. Es war ein Hilfeschrei. Es war ein: „HIER VERDAMMT; SCHAUT EUCH MEINE ARME AN, ICH BRAUCHE HILFE; SONST STERBE ICH!!!“
    Das war ein Jahr … oder vielleicht sogar nur ein paar Wochen? Ich erinnere mich nicht mehr… nach der Geschichte im Keller.
    Aber ich wurde nicht ernst genommen. Ich wurde gehört. Das ja. Aber ich wurde nicht ernst genommen. Das Ritzen wurde zu dem, wozu ich es „missbrauchte“ (wozu ich mich selbst missbrauchte).. Es war der Wunsch nach Aufmerksamkeit. Und als das taten es die Lehrer (insbesondere die Vertrauenslehrerin) auch ab.
    Es machte mich verzweifelter und wütender.
    Denn, natürlich – ich hätte einfach reden können. Hört man das nicht von jedem? Es wäre ja „so einfach und viel weniger schädlich“ über seine Probleme zu reden. Aber wie?
    In der Schule war ich DER Sonnenschein schlechthin. Ich war redelustig, lachte viel und war extrovertiert. Wer würde mir schon glauben? Welcher Mensch würde einem glauben, wenn so ein „glücklicher“ Sonnenschein so eine geschichte erzählt? Während ich innerlich kaputtging. Und mich Zuhause jeden Tag in den Schlaf weinte. Oder abhaute, weil ich die Nacht brauchte, um mich wieder zu beruhigen.
    Ich ersetzte irgendwann die Nagelschere durch eine Klinge. T-Shirts gab es in meinem Kleiderschrank nicht mehr. Egal ob 22 oder 35 Grad. Ich hatte immer etwas langärmeliges an.
    Das Scheiden damals traf bei mir vor allem auf die von dir genannten Punkt 1 und Punkt 2 zu.
    Als ich das erste Mal einer Psychiaterin mit 14 Jahren von der Geschichte erzählte, bewahrheitete sich meine größte Angst. Ich erinnere mich an ihre Worte, als wäre es gestern gewesen: „Also… ich weiß nicht so recht, ob ich dir die Geschichte abkaufen soll…“
    Das wars.
    Aus den Kratzern wurden Schnitte und aus den Schnitten tiefe Wunden, die zwei Mal sogar hätten genäht werden müssen – mich aber so sehr dafür schämte, dass ichnicht einmal zum Arzt ging!
    Mit 16 Jahren schaffte ich es, mich davon loszureißen. Von einem Tag auf den Anderen hörte ich damit auf. Und das für viele Jahre.
    Und jetzt kommt mein kleines, dreckiges Geheimnis: Ich weiß, mein Blog scheint relativ frohsinnig zu erscheinen. Und das bewusst. Ich lebe in einem Umfeld, das mir nicht „erlaubt“ dass es mir schlecht geht – und das in der heutigen Zeit. Ich weiß, es klingt verrückt, aber um das zu erklären, müsste ich zu weit ausholen.
    Vor einigen Wochen ist mir etwas passiert, was relativ auf meine Kellergeschichte von vor 10 Jahren zutrifft. Und dieser Vorfall ließ mich wieder zur Klinge greifen.
    Es ist kein Schmerz und keine Taubheit, die in mir ist, wenn ICH eine Klinge ansetze. Es ist Wut.
    Es ist Wut, weil ich weiß, dass ich nicht ernst genommen werde. In meinem Beitrag „20 Fakten über mich“ steht ein Fakt, in dem es um dieses Thema ging. Es ist einerseits ein Kompliment zu hören, dass man „süß“ oder so „entzückend“ sei, dass man mich nicht wütend vorstellen kann. Aber jeder Mensch trägt Wut in sich – und jeder möchte sie irgendwie ablassen. Wut ist eine gewaltige Emotion.
    Diese Emotion war die, die ich jahrelang unterdrückte (darüber habe ich vor kurzem erst mit meiner Psychologin gesprochen). Ich habe NIE meine Wut gezeigt. Niemandem.
    Dieses Jahr schaffte ich es endlich, sie zu zeigen, meine Wut den Menschen mitzuteilen. Und was geschieht? ich werde nicht ernst genommen. Es ist ein Teufelskreis.
    ich kann verstehen, wenn Menschen nicht verstehen, warum man sich selbst verletzt, aber ich wünschte mir manchmal, ich könnte ihnen meine Gefühle und Emotionen und Erinnerungen in den Kopf und Magen und in das Herz pusten, einfach, um es nachvollziehen zu können.
    Es ist nicht fair.
    Aber andersrum ist es genauso nicht fair, wie sie damit umgehen – ihre Behauptungen.
    Und ich finde es gut, dass es Menschen wie Dich gibt, die sich dagegen stellen, die Aufklären und vor allem: die ERKLÄREN!
    Danke… für diesen Beitrag!

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    • voninnennachaussenblog schreibt:

      Danke für deine offenen Worte. Ich kann sehr gut nachvollziehen, was du schreibst. Mit meiner Wut ist es wie bei dir. Vielen Opfern von Gewalttaten geht es wie uns. Wir richten nicht die Wut auf die Täter gegen sie, sondern gegen uns selbst. Ich wünsche dir viel Kraft!

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  7. Eva Lühring schreibt:

    Hallo!

    Mir gefällt dein Artikel, sehr offen und ehrlich, meinen Respekt.

    Ich möchte trotzdem nochmal einen Gedanken verlauten lassen.

    Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, das stimmt und ich verstehe glaube ich auch was du meinst. Nur habe ich gerade über „Friss oder stirb!“ nachgedacht und weiß nicht so recht.

    Immerhin leben wir in Deutschland sehr sicher, im Falle des Falles fängt dich zumindest finanziell der Staat auf – Hartz 4.
    Auch schulisch hatte ich nie bei jemandem das Gefühl, dass die Welt untergeht, wenn er mal nicht funktioniert, zumindest nicht durch die Aussagen oder Ähnliches Anderer.
    Der Knackpunkt ist meiner Meinung nach der Druck, den man sich selber macht.
    Da könnte zum großen Teil die Erziehung eine Rolle spielen, meiner Meinung nach.

    Die Gesellschaft mag nicht immer super sein, aber zumindest meiner Erfahrung nach, ist sie auch nicht immer ein Arschloch.

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