Zu krank für Freunde?

Nachdem ich mich in meinem Beitrag Zu krank für Kinder? damit beschäftigt habe, ob ich zu krank für Kinder sei, möchte ich mich heute mit der Frage beschäftigen, ob ich zu krank für Freunde bin. Das hört sich erst einmal hart und weit hergeholt an, doch ich möchte euch von meinen Erlebnissen mit meinem ehemaligen Freundeskreisen berichten.

Schon in meiner Kindheit und Jugend fiel es mir sehr leicht, neue Freundschaften zu schließen, jedoch hatte ich große Probleme, diese aufrecht zu erhalten. Zum einen tat ich mich schwer damit, mich regelmäßig zu melden und diese Freundschaften zu pflegen. Zum anderen habe ich Freundschaften oft selbst boykottiert, zum Beispiel durch Lästereien und inszenierte Streitigkeiten, sobald es zu gut lief und es mir zu eng wurde. Danach fühlte ich mich jedoch immer sehr schlecht. Folge waren immer wechselnde Freundeskreise und später fast ausschließlich oberflächliche Freundschaften, eher Bekanntschaften.

Ich wusste nie, worin mein destruktives, ja fast asoziales Verhalten begründet ist. Ich dachte einfach ich sein ein unsozialer Mensch. Heute nach vielen Therapien und Wissen über meine Krankheiten weiß ich, dass die Ursache mit meiner Vergangenheit zusammenhängt. Durch die traumatischen Erlebnisse in meiner Kindheit habe ich eine sogenannte Beziehungsstörung entwickelt, die es mir unheimlich schwer macht, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und vor allem zu halten.

Vor zwei Jahren dachte ich, ich hätte mir wieder einen recht guten Freundeskreis aufgebaut. Ich habe mich nach meiner Schulzeit und in meiner Ausbildung verändert, bin erwachsener und reifer geworden. Ich habe mich regelmäßig bei meinen Freunden gemeldet und versucht die Freundschaften nicht zu boykottieren. Dies ist mir gelungen und somit hatte ich ein gutes Gefühl, was die Qualität meiner Freundschaften betraf.

Dann kam mein totaler Zusammenbruch, von dem ich bereits in diesem Blog berichtet habe. Die Symptome meiner Krankheiten wurden immer schlimmer. Ich konnte nicht mehr arbeiten und wurde schwer depressiv. Alles endete in einem Suizidversuch. Danach kamen Intensivstation und geschlossene Psychiatrie. Ich muss dazu sagen, dass ich meinen Freunden nie von meinen Traumata und meinen Erkrankungen erzählt habe. Somit kam dies für alle sehr überraschend und sie konnten es sich nicht erklären. Ich kontaktiere meine Freunde und fragte, ob sie mich besuchen könnten oder Zeit hätten zu sprechen. Eine einzige meiner Freunde besuchte mich ohne auch nur kurz zu Zweifeln und war in dieser schweren Zeit bis heute für mich da. Meine beste Freundin. Die anderen haben sich teilweise gar nicht mehr gemeldet oder mir geschrieben, sie könnten damit nicht umgehen und hielten es für das Beste, den Kontakt abzubrechen. Keiner von ihnen hat persönlich mit mir gesprochen.

Genau in dieser schweren Zeit hätte ich meine Freunde am dringendsten gebraucht. Ich hatte gehofft sie wären für mich da, so wie ich auch immer für sie da war und gewesen wäre.

Ich verstehe, dass Menschen mit so einer Situation, vor allem mit einem Suizidversuch überfordert sind. Dass sie nicht wissen, wie sie mit einem umgehen sollen und Angst haben. Wenn sie geschlossene Psychiatrie hören, schießen ihnen direkt Bilder von hoch psychotischen Menschen in den Kopf, da sie es so von den Medien und Erzählungen suggeriert bekommen und es einfach nicht besser wissen. Dafür habe ich wirklich vollstes Verständnis. Jedoch habe ich gehofft, dass sie ihre Sorgen und Zweifel mir gegenüber thematisieren. Diese hätte ich ihnen dann nehmen können. Meine beste Freundin hat mich in der geschlossenen Psychiatrie besucht und mich mit einer Wärme und Liebe behandelt, die einmalig war. Sie hat mir Fragen gestellt und ihre Sorgen kommuniziert. Sie hat sich in meinen Augen wie eine Heldin verhalten und dafür bin ich ihr bis heute dankbar.

Meine Familie und Mitpatienten, sowie die Therapeuten sagten mir, in solchen schweren Zeiten kristallisiert sich klar heraus, wer deine wahren Freunde sind. Wer zu dir hält, wenn du am Boden liegst und wer dir hilft wieder aufzustehen. Zum Teil sehe ich das genauso. Ich glaube es waren keine tiefen Freundschaften, sondern eher Bekanntschaften, die nur Wert auf die lustige und verrückte Silvana gelegt haben.

Trotzdem gibt es diese Tage, an denen ich mich frage, ob ich nicht zu krank für Freundschaften bin. Ob ich nicht eine zu große Belastung für Freunde bin.

Ich bin kein einfacher Mensch. Man muss viel Rücksicht auf mich nehmen und Geduld mit mir haben. Es kommt vor, dass ich Verabredungen kurzfristig absagen muss, weil es mir schlecht geht. Ich habe starke Stimmungsschwankungen. Ich kann an vielen Dingen nicht teilnehmen, wegen meiner Ängste und Panikattacken. Ich bin immer noch nicht der Meister, des regelmäßigen Meldens und Anrufen. Damit Menschen diese Verhaltensweisen verstehen und nicht als Desinteresse und Abweisung bewerten, muss ich mit offenen Karten spielen und über meine Krankheiten sprechen. Ich habe aber Angst, die Menschen zu belasten und zu überfordern. Auch habe Angst vor Zurückweisung und dass man möglicherweise nur noch das Opfer und die Krankheiten in mir sieht. Das möchte ich keinem zumuten.

Mittlerweile habe ich vier Menschen, die über alles Bescheid wissen und die ich wirklich meine Freunde nennen kann. Die mit mir und allem was zu mir gehört umgehen können und mich als ganzen Menschen lieben und schätzen. Die zum Beispiel nicht sauer sind, wenn man mal länger nichts von mir hört oder ich kurzfristig absagen muss. Sie haben Geduld und viel Verständnis und sehen vor allem meine positiven Eigenschaften. Wir sehen uns nicht oft, aber immer wenn wir uns treffen freuen wir uns aufeinander und haben eine tolle Zeit zusammen. Ich weiß, dass sie immer für mich da sind, denn das haben sie schon oft bewiesen. Ich liebe meine Freunde und sie wissen, dass auch ich immer für sie da bin, egal was passiert.

Freundschaften sind also auch für mich möglich.

Dennoch weiß ich nicht, ob ich jemals einen größeren Freundeskreis haben werde und ob ich das überhaupt will.

Bin ich also zu krank für Freunde?

Objektiv und rational würde ich sagen nein. Es ist vielleicht komplizierter, aber zu krank bin ich nicht.

Emotional sieht es an manchen Tagen anders aus. Da überwiegen die Zweifel, Ängste und Sorgen.

Ich bin wie ich bin und es gibt Menschen, die mich so annehmen und lieben. Nicht viele, aber es gibt sie!

Danke.

Eure Silvana

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Ritzen- ein Modetrend?

,,Jugendliche ritzen sich, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und cool zu sein.“

Diesen Satz las ich gestern in einem Artikel, der Selbstverletzendes Verhalten (kurz: SSV) bei Jugendlichen thematisierte und dieses Verhalten bei den meisten der Betroffenen als „Modetrend“ abtat.

Bei meiner weiteren Internetrecherche stieß ich auf weitere Artikel, die ähnliches implizierten.

Ich war wirklich schockiert und habe deutlich die Unwissenheit der Autoren hinter diesen Artikeln gespürt.

Daher möchte ich nun versuchen, etwas mehr Licht in das dunkle Thema „Selbstverletzendes Verhalten“ zu bringen.

Menschen, die sich selbst verletzen, sind nicht unbedingt Borderliner und Borderliner verletzen sich nicht unbedingt selbst. Das ist einer der häufigsten Trugschlüsse. Selbstverletzendes Verhalten ist ein Symptom bei traumatischen Erfahrungen, Selbsthass, Depressionen, Essstörungen, Zwangsstörungen und Körperschemastörungen, um nur einige Diagnosen zu nennen.

Es gibt verschiedene Art und Weisen sich selbst zu verletzen. Die bekannteste ist wohl das Ritzen, mittels scharfen Gegenständen, wie Scheren, Messern, Rasierklingen oder ähnlichem. Doch man kann sich auch selbst verletzen, indem man sich die Haare und Wimpern heraus reißt, oder seinen Kopf gegen Wände schlägt, sich selber schlägt, beißt und kratzt, sich vorsätzlich die Knochen bricht bis hin zur Enukleation (eigenständiges Herausbohren des Auges). Es gibt unzählige Gesichter des Selbstverletzenden Verhalten, die ich hier nicht alle aufzählen kann und möchte. Allerdings zeigt das allein schon, dass man SSV doch schwerlich als „Modetrend“ abtun kann oder?

Nun möchte ich näher auf die Gründe eingehen, warum sich Menschen so etwas antun. Ich gehe nicht auf die Krankheiten ein, die dahinter stecken, sondern auf die inneren Beweggründe und Gefühle, die dazu führen, sich zu verletzen. An dieser Stelle ist es wohl am sinnvollsten, wenn ich von mir selber spreche.

Es gibt bei mir 3 verschiedene Auslöser, weshalb ich mich selbst verletzte.

1.Innerer Druck und Schmerz:

Es gibt Tage an denen ich das Gefühl habe, innerlich zu zerspringen oder zu zerreißen. Der Schmerz und der Druck in meinem Inneren sind so groß, dass es kaum auszuhalten ist und ich am liebsten aus dem Fenster springen würde. Statt dies zu tun, wähle ich das für mich „kleinere Übel“ und schneide mir mit Rasierklingen in die Unterarme. Während ich dies tue, entweicht der gesamte innere Druck und der innere Schmerz ist nun sichtbar und greifbar auf meinen Unterarm „umgeleitet“. Der Schmerz ist nicht mehr abstrakt und auch nicht mehr so stark. In mir macht sich eine absolute Erleichterung breit und ich kann endlich wieder atmen.

2.Taubheit und Leere:

Dann gibt es wiederum Tage, an denen ich gar nichts spüre. Weder seelisch noch körperlich. Ich bin absolut leer. Gefühlslos. Taub. Ich spüre meinen Körper nicht richtig. Alles fühlt sich taub an. Ich habe beinahe das Gefühl, nicht mehr lebendig zu sein. Dieser Zustand ist für mich tausend Mal schlimmer als jener, den ich in Punkt 1 beschrieben habe. Hier benutze ich das Ritzen, um mich wieder zu spüren, um zu merken, dass ich noch da bin…dass ich noch lebe.

3.Schneidedruck

Hier geht es mir allein um den Prozess des Schneidens. Es ist ähnlich wie bei Drogensüchtigen, die sich neben ihrem Drogenkonsum auch Kochsalz in die Venen spritzen, einfach nur um das Gefühl und die Prozedur des sich Spritzens zu erleben (auch Spritzengeilheit genannt). Die Vorbereitung des Schneidens, das Schneiden an sich und die Nachbereitung geben mir ein Gefühl von Sicherheit und beruhigen mich. Der Schmerz ist angenehm und wärmend. Das ist wohl der Grund, der für viele Menschen am schwersten nachzuvollziehen ist.

Hinter jedem dieser Gründe, hinter jedem Schnitt steckt aber auch ein Hilfeschrei. Wenn man nicht fähig ist, es auszusprechen, zeigen doch nie Narben, wie schlecht es einem geht. Auch wenn man sie versteckt.

Selbstverständlich nutze ich auch die sogenannten „Skills“. Dies sind weniger schädliche Ersatzhandlungen für das SSV, wie zum Beispiel Riechen an Ammoniakstäbchen, Gummifletscher, Kauen auf Chilischoten usw. Diese reichen jedoch oft nicht aus und es ist ein unheimlich schwieriger und langwieriger Prozess, sein SSV durch diese Skills komplett zu ersetzen.

Um nun zu dem Thema  „Modetrend“ und dem Zitat ,,Jugendliche ritzen sich, um Aufmerksamkeit zu erhaschen und cool zu sein.“  zu kommen…Natürlich gibt es Menschen, die sich selbst verletzen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber ob sie damit einfach cool sein wollen und mit dem Strom mit schwimmen wollen, wage ich zu bezweifeln. Ich finde diese Aussage absolut gefährlich und missachtend. Selbstverletzendes Verhalten muss immer ernst genommen werden. Lasst mich folgende Frage stellen:

Würde sich ein gesunder Mensch selbst verletzen, um wahrgenommen zu werden oder cool zu sein?

Ich denke nicht. Kein Mensch, der nicht ernst zu nehmende Probleme hat, würde sich selbst verletzen! Allein schon der Wunsch nach Aufmerksamkeit impliziert, dass es an dieser mangelt und die Art und Weise diese dann zu erlangen verdeutlicht doch noch viel mehr, wie schlecht es um einen Menschen steht. Diese Menschen, die in den Artikeln als aufmerksamkeitsgeil dargestellt werden, müssen ernst genommen werden und bedürfen professioneller Hilfe.

Selbstverletzendes Verhalten ist niemals nur Effekthascherei und eine Modeerscheinung, auch wenn sich die Fälle seit den letzten Jahren häufen.

Wir sollten uns vielmehr die Frage stellen, woran es liegt, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr anders zu helfen wissen, als sich selbst zu verletzen. Selbstverletzendes Verhalten ist ein Symptom. Dahinter stecken Krankheiten und diese häufen sich rapide.

Ich will jetzt nicht wieder die Gesellschaftskritikerin raushängen lassen, aber ich komme nicht drum herum. Wir leben in einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft, in der man funktionieren muss, wenn man nicht als Sozialfall enden will, ganz nach dem Motto : Friss oder stirb! Es herrscht enormer Druck. Man muss Leistung bringen, im Job und im Privatleben. Immer höher, immer weiter. Schule, Beruf, arbeiten, arbeiten, Rente, Tod. Für viele Menschen ist das kein Problem. Sie sind psychisch und körperlich gut aufgestellt, haben stabile Rahmenbedingungen oder schaffen es sich diesem Druck zu entziehen. Ein Großteil der Menschen aber hält diesem Druck nicht stand und wird krank.

Selbstverletzungsnarben sind nicht einfach nur Narben- Es sind Gedanken, denen niemand zuhören wollte- Hilfeschreie, die niemand gehört hat- Probleme, die niemand wahrhaben wollte und Erinnerungen, die man nicht verarbeiten konnte.

Ich hoffe ich konnte euch das Thema Selbstverletzendes Verhalten näher bringen.

Danke.

Eure Silvana

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Opferrolle

,,Wenn möglich könntest du ja auch mal versuchen, die Opferrolle loszuwerden…“

Diesen Kommentar schrieb mir eine Frau unter meinen letzten Beitrag ,, Zu krank für Kinder?“.

Ich möchte dem Thema ,, Opferrolle“ mehr Aufmerksamkeit widmen und dazu Stellung beziehen.

Ja, ich bin in meinem bisherigen Leben mehrfach Opfer von sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt geworden. Daraus mache ich kein Geheimnis, denn ich habe lange genug geschwiegen. Es gibt keinen Grund, warum dies tabuisiert werden sollte.

Ab meinem 4. Lebensjahr begannen die traumatischen Ereignisse. Dennoch habe ich mich nie bewusst als Opfer gesehen. Ich habe versucht, irgendwie damit umzugehen und zu überleben, vor allem meine Psyche, in Form von Dissoziationen und anderen Schutzmechanismen. Ich habe gekämpft. Ich habe weiter gelebt, so gut es ging. Der Überlebenswille in mir war stärker als all das Leid, die Gewalt und der Schmerz, die mir angetan wurden.

Natürlich war ich ein Opfer der Menschen, die mir all die Jahre dieses Leid zufügten. Aber ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich wurde dazu gemacht.

Ich habe alles dafür getan, das Opfer in mir zu verbergen und zu eliminieren. Habe verdrängt, geschwiegen und eine Maske aufgesetzt. Trotzdem, oder gerade deswegen zeigten sich die Folgen recht schnell in Form von Ängsten, Panikattacken, Zwängen, Albträumen, Flashbacks etc. Je mehr ich versuchte zu funktionieren und keine Hilfe anzunehmen, umso schlimmer wurde es, bis vor 2 Jahren der totale Zusammenbruch kam. Je mehr ich versuchte, kein Opfer zu sein, umso mehr wurde ich eines.

Erst als nichts mehr ging und mein Leben in Scherben vor mir lag, habe ich mein Schweigen gebrochen. Ich hatte immer wahnsinnige Angst davor, über das, was mir angetan wurde zu reden, denn ich war der Meinung, wenn ich es in Worte fasse, bin ich dieses Opfer, was ich nie sein wollte.

Aber in dem Moment, wo ich endlich anfing zu sprechen, war ich kein Opfer mehr. Das weiß ich heute. Ich konnte Hilfe annehmen, meine Mauer fallen lassen und Ich sein. Ich habe aufgehört vor meiner Vergangenheit wegzulaufen. Ich habe begonnen sie zu akzeptieren und weiter zu leben.

Wenn ich heute in den Spiegel gucke, sehe ich eine starke Frau und darauf bin ich stolz. Ich bin kein Opfer mehr, aber ich schäme mich auch nicht dafür, eines gewesen zu sein.

Hier in meinem Blog schreibe ich offen über meine Krankheiten, meine Sorgen, meine Gedanken und meine Probleme. Dies ist zum Einen meine eigene Art der Verarbeitung und Selbstreflektion, zum anderen möchte ich aber auch für mehr Aufklärung, Verständnis und Akzeptanz in puncto psychische Erkrankungen sorgen. Dass dies so verstanden und ausgelegt wird, dass ich hier eine ,, Opferrolle“ einnehme und mich als solches darstellen möchte, hat mich erstaunt.

Auch wenn ich selbst kein Opfer mehr bin, möchte ich mich dafür aussprechen, dass es keine Schwäche, kein Versagen, keine Resignation oder ein Fehler ist, offen zuzugeben, dass man ein Opfer ist oder war!!! Man muss Opfern eine Stimme geben und mit dem Tabuisieren, Wegschauen und Weghören aufhören. Wir sind eine ,,Wegguck- Gesellschaft“ und wollen von dem ganzen Leid um uns herum nichts wissen. Dass sich eventuell Opfer in unserem Freundeskreis oder gar unserer Familie befinden, daran denken wir nicht mal und wollen es uns auch nicht vorstellen oder gar an uns heranlassen. Das ist mit ein Grund, warum so viele Opfer nicht reden. Sie schämen sich und haben Angst von ihrem Umfeld verurteilt zu werden. Geht´s noch? Die, die sich schämen und im wahrsten Sinne des Wortes verurteilt werden sollten, sind die Täter!

Es ist so wichtig, dass Opfer sprechen, sich Hilfe suchen und sich nicht in ihrer Opferrolle verlieren und dort gefangen bleiben. Aber ich weiß am besten, wie schwierig das ist. Es hat 20 Jahre gedauert, bis ich endlich den Mut dazu hatte.

Verschließt euch nicht vor der Wahrheit.

Danke.

Eure Silvana

 

 

 

Zu krank für Kinder?

,, Sie sollten sich wirklich ganz genau überlegen, ob Sie mit den ganzen psychischen Erkrankungen, die Sie haben, wirklich Kinder in die Welt setzen wollen.“

Genau diesen Satz hat eine Therapeutin vor einiger Zeit zu mir gesagt und mit dieser Aussage möchte ich hiesigen Beitrag einleiten.

Ich wünsche mir vom ganzen Herzen Kinder. Für mich gibt es nichts schöneres und sinnvolleres, als eigenes Leben in diese Welt zu setzen und groß zu ziehen. Der Gedanke meinen eigenen Kindern beim Aufwachsen zusehen zu können, Teil ihres Lebens zu sein und ihnen immer beiseite zu stehen, erfüllt mich mit einer unfassbaren Freude, Zufriedenheit und Wärme.

Dennoch kann ich den Satz der Therapeutin nicht vergessen. Ich verstehe genau, was sie mir damit sagen wollte und ich habe tatsächlich auch dieselben Gedanken und Zweifel. Ist es wirklich eine gute Idee mit dem bunten Strauß an Erkrankungen, die ich habe, Kinder zu bekommen? Oder ist das reiner Egoismus? Kann ich wirklich die Mutter sein, die ich mir für meine Kinder wünsche?

Ich finde es wichtig, mir diese Fragen zu stellen und dennoch glaube ich, dass ich eine gute Mutter sein kann.

Ich möchte eine Mutter sein, die ihre Kinder bedingungslos liebt, sie beschützt und bestmöglich auf das Leben vorbereitet. Ich möchte immer für sie da sein und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Meine Kinder sollen wissen, was es heißt, geliebt, umsorgt, beschützt und aufgefangen zu werden. Ich möchte alles dafür tun, dass meine Kinder einmal selbstständige, unabhängige, fröhliche und ehrliche Menschen werden. Menschen, die sich selbst akzeptieren und vertrauen, die um ihre eigenen Stärken und Schwächen wissen, um das kämpfen, wofür sie brennen und ihre Ziele nie aus den Augen verlieren. Menschen, die anderen mit Respekt und Wohlwollen begegnen, empathisch und verständnisvoll sind und die Gerechtigkeit nicht vergessen. Sie sollen Fehler und ihre eigenen Erfahrungen machen und daran wachsen.

Am wichtigsten aber ist, dass sie gesund und glücklich sind und sich gerne an ihre Kindheit zurück erinnern.

Ich glaube, dass dies schon für Menschen ohne psychische Erkrankungen eine wahnsinnige Herausforderung ist. Mutter sein ist nicht einfach. Mutter sein geht auch nicht ohne Fehler.

Aber wie funktioniert Mutter sein mit depressiven Phasen? Mit Panikattacken und Ängsten? Mit Albträumen?

Ich bin davon überzeugt, dass diese Faktoren sicherlich nicht dazu beitragen, dass es einfacher wird, aber ich weiß, dass ich fähig bin von ganzen Herzen zu lieben. Ich weiß, dass ich meine eigenen Bedürfnisse und Sorgen zum Wohle meines Kindes zurückstellen kann und ich weiß auf welche Dinge es im Leben ankommt und wie ich sie meinem Kind vermittle.

Ich denke nicht, dass es egoistisch von mir ist, in ein paar Jahren Kinder zu bekommen. Denn es geht doch um den Gedanken, um die Intention und das Gefühl, warum man Kinder bekommen möchte. Sie sollen nicht Mittel zum Zweck sein, damit es mir vielleicht besser geht oder irgendwelche Lücken in meinem Leben füllen.

Und wer sagt, dass sich meine Erkrankungen und Erfahrungen unbedingt negativ auswirken müssen? Es gibt auch Stärken, die ich dadurch entwickelt habe, wie Empathie, Sensibilität, Verständnis, Geduld, Vorsicht und Toleranz.

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille.

Mich würde eure Meinung dazu brennend interessieren.

Danke.

Eure Silvana

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Ein neues Projekt

Hallo liebe Leser,

Nein, ich habe euch nicht vergessen!

Bitte verzeiht mir, dass in der letzten Zeit nicht viel von mir kam. Mir fehlte es einfach an Input, Ideen und Content …Anstatt dann einfach irgendwas zu schreiben, schreibe ich lieber gar nicht. Ich lese aber weiterhin eure Kommentare und bleibe im stetigen Austausch mit euch.

Nun gibt es aber zwei Themen, die ich euch gerne mitteilen würde.

Zum einen ist da mein Instagram- Account. Diesen würde ich euch gerne ans Herz legen, da ich überlegt hatte dort mal live online zu gehen. Ihr könnt mir dann eure Fragen stellen, die euch auf dem Herzen liegen und euch interessieren. Diese kann ich dann live beantworten. Ich finde die Idee total spannend, in den direkten Austausch mit euch zu treten:-)

Was haltet ihr davon? Schreibt mir doch einfach in die Kommentare, welche Meinung ihr dazu habt und ob Interesse daran bestehen würde. Um live mit mir zu kommunizieren müsst ihr mir einfach nur folgen. Mein Insta- Name lautet:

grandissima.silvana

Das zweite Thema ist ein neues Projekt, an dem ich eventuell, bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit teilnehmen werde.

Es handelt sich hierbei um eine Dokumentation einer bekannten TV-Produktionsfirma.

Plan ist es, das Leben sechs junger Leute im Alter von 18- 30 Jahren mit psychischen Erkrankungen und Traumatisierungen zu begleiten. Dies soll aber in Form von Videotagebüchern, die wir selber drehen geschehen, damit es authentisch bleibt. Ziel soll sein, zu zeigen, wie ein Leben und insbesondere der Alltag mit psychischen Erkrankungen aussieht. Was ist vielleicht schwieriger, was ist anders, was ist belastend und was ist nicht möglich? Wichtig zu erwähnen ist auch, dass wir Betroffene nicht vorgeführt werden sollen und der Zuschauer total verstört ist. Ganz im Gegenteil: Der Zuschauer soll aufmerksam werden, Empathie, Sympathie und Verständnis entwickeln und begreifen, dass diese Erkrankungen jeden treffen können.

Begleitet wird das Projekt von Therapeuten und Psychiatern. Man ist im ständigen Austausch, auch mit der Produktionsfirma und kann jederzeit aufgefangen werden, obwohl es der Firma sehr wichtig ist, dass es uns durch dieses Projekt gut und vielleicht sogar besser geht, anstatt schlechter.

Ich habe heute lange mit der Produzentin gesprochen und finde die Intention hinter dem Ganzen wirklich toll. Der Welt da draußen zu zeigen, dass psychisch krank zu sein nicht gleich heißt bekloppt zu sein. Dass klar wird, dass es jeden treffen kann und zu zeigen, dass wir dennoch liebenswerte Menschen sind, aber auch aufzudecken, was es heißt mit diesen Erkrankungen zu leben und wieviel Kraft uns das kostet.

Dasselbe versuche ich auch mit diesem Blog:-)

Ich würde gerne eure Meinungen dazu erfahren.

Dies können wir ja zum Beispiel live bei Instagram besprechen. Schreibt mir eine Uhrzeit, die euch passt, folgt mir und ich gehe dann live online.

Vielen Dank,

Eure Silvana

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